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Re: Offener Brief an Bundeskanzler Schroeder gegen nichtbehinderten Behindertenbeauftragten (fwd)



Hallo Jens, hallo allerseits,

ich finde es sehr schoen, dass auch derartige Briefe hier veroeffentlicht 
werden. Den Frust darueber, dass ein Nichtbehinderter 
Behindertenbeauftragter geworden ist, kann ich sehr gut verstehen, obwohl 
ich selbst bisher trotz Doppelbehinderung (ich bin blind und Rollifahrer) 
immer mit den zustaendigen, sich sehr kooperativ zeigenden Stellen selbst 
habe aushandeln koennen. Die Aussage "ein Nichtbehinderter als 
Behindertenbeauftragter ist genauso sinnlos als Repraesentant wie ein Man 
als Frauenbeauftragter" ist das beste Argument aus Eurem Brief, das man 
ueberhaupt anfuehren kann.

Dennoch moechte auch ich den Brief so nicht unterschreiben. Es waere 
taktisch sehr viel klueger gewesen, wenn Ihr Eure guten Ansaetze (siehe 
oben) weiter erlaeutert haettet. So kann ich mir z.B. gut vorstellen, 
dass viele von uns sich bei Problemen mit mehr Vertrauen an Behinderte 
als an Nichtbehinderte wenden. Dafuer ist es voellig egal, ob ein 
Nichtbehinderter oder ein Behinderter objektiv besser in der Lage ist, 
die Probleme und Diskriminierungen besser zu verstehen. Ein 
Nichtbehinderter kann sich noch so kooperativ verhalten: Trotzdem waere 
es so. Viele von uns trauen ihnen das noetige Verstaendnis fuer unsere 
Situation einfach nicht zu und haben unbegruendete oder begruendete 
Aengste. Das haettet Ihr im Brief noch klarer deutlich machen muessen, 
ohne auf 1.000 Jahre Vergangenheit hinzuweisen.

Die Angst davor, dass auch unsere neue Regierung im schlimmsten Fall die 
Politik uns gegenueber fortsetzt, die die alte Budesregierung gemacht hat 
und die getrogenen Hoffnungen kann ich ebenfalls verstehen. Ich kann auch 
den Frust gegenueber Politikern verstehen, die sich zuerst zu unseren 
Interessenwaltern aufschwingen, in Wirklichkeit aber nur an unseren 
Waehlerstimmen interessiert sind. So etwas wuerde ich aber versuchen auf 
andere Weise zum Ausdruck zu bringen, indem ich ggf. Leute, die sich zu 
lautstark vor einer Wahl fuer uns einsetzen, erst nach grueč